Sturzprävention zu Hause: Der Rundgang durch sieben Räume

wiemod Redaktion · Geprüft am 24.08.2026 · Nächste Prüfung: 24.02.2027

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Stürze passieren in vertrauter Umgebung, viele im eigenen Bad.
  • Sicht, Schuhe, Medikamente und Beleuchtung wirken oft stärker als teure Umbauten.
  • Hilfsmittel wie Haltegriffe sind über die Krankenkasse abrechenbar.

Sturzprävention zu Hause: Der Rundgang durch sieben Räume

Jede dritte Person über 65 stürzt mindestens einmal im Jahr, viele davon zu Hause. Gut gemeinte Ratschläge helfen da wenig. Besser: ein systematischer Gang durch die Wohnung, Raum für Raum.

Warum Stürze so ernst zu nehmen sind

Ein gebrochener Oberschenkelknochen ist nicht nur schmerzhaft: Er beginnt häufig eine Abwärtsspirale aus Immobilität, Pflegebedürftigkeit und Angst vor dem nächsten Sturz. Diese Angst allein führt dazu, dass Menschen sich weniger bewegen und dadurch unsicherer werden. Prävention bricht diese Spirale frühzeitig.

Der Rundgang

1. Flur

Schuhe aufgeräumt? Briefe und Pakete landen nicht auf dem Boden? Ein stabiler Garderobenhaken in Sitzhöhe macht das Anziehen sitzend möglich. Eine helle LED-Leuchte mit Schalter an beiden Enden des Flurs kostet wenig und wirkt viel.

2. Bad

Hier passieren die folgenreichsten Stürze. Rutschfeste Duschmatte, Haltegriffe neben Dusche und WC, ein Duschhocker: Das sind die drei Klassiker. Wer neu baut oder umbaut, denkt über eine ebenerdige Dusche nach (Artikel Altersgerecht wohnen). Wichtig und oft vergessen: Nachts der Weg zum Bad. Eine Bewegungslichterkette oder Steckdosen-Nachtlichter entwerten die dunkle Strecke.

3. Küche

Herde mit automatischer Abschaltung verhindern Brände; rutschfeste Küchenmatten verhindern Stürze beim Arbeiten. Häufig benutzte Töpfe gehören nicht mehr in den untersten Schrank, sondern auf Greifhöhe.

4. Schlafzimmer

Bettlaken nicht zu locker, Betthöhe so, dass beide Füße flach auf dem Boden stehen. Lampe vom Bett erreichbar, Telefon oder Hausnotruf in Reichweite. Hausschuhe mit geschlossener Ferse und rutschfester Sohle statt Socken auf Laminat.

5. Wohnzimmer

Tiefe Sofas sehen gut aus und sind schwer zu verlassen. Ein fester Sessel mit Armlehnen ist für viele Menschen die bessere Wahl. Kabel laufen entlang der Wände, Teppiche haben Antirutschunterlage oder sind weg.

6. Treppe

Geländer beidseitig, jede Stufe klar erkennbar, keine Gegenstände auf den Stufen abstellen. Nachts unten Licht anknipsen können: Bewegungsmelder erledigen das automatisch. Für Menschen mit Sehproblemen markieren kontrastierende Kantestreifen die Stufenkanten.

7. Keller, Balkon und Gartenweg

Der Weg zum Müllplatz gehört genauso zur Wohnung wie das Bad. Befestigte Wege, Handläufe, Streu im Winter griffbereit: Hier passiert der unterschätzte Sturz.

Was außerhalb der Wohnung hilft

Sehen lassen: Jährlicher Sehtest. Viele Stürze beginnen mit einer neuen Brille oder einem nicht angepassten Gleitsichtglas.

Medikamente prüfen: Blutdrucksenker, Schlaftabletten und manche Antidepressiva erhöhen das Sturzrisiko. Die Hausärztin kann den Medikamentenplan einmal jährlich auf Sturzrisiken hin durchsehen.

Bewegung trainiert Gleichgewicht: Tai Chi, Krafttraining, Sturzpräventionskurse der Krankenkassen. Viele Kassen zahlen solche Kurse ganz oder teilweise über ihre Bonusprogramme.

Richtiges Schuhwerk: Geschlossene Schuhe mit rutschfester Sohle auch drinnen, statt Socken oder offenen Pantoffeln.

Was die Kasse zahlt

Über die Hilfsmittelversorgung (§ 33 SGB V) sind Haltegriffe, Duschhocker, Toilettensitzerhöhungen und ähnliches mit ärztlichem Rezept abrufbar. Gesetzlich Versicherte zahlen zehn Prozent der Kosten, mindestens fünf und höchstens zehn Euro je Produkt. Der Weg: Hausarzt verordnet, Sanitätshaus liefert, Kasse rechnet direkt ab. Auch Hausnotruf-Geräte werden bezuschusst: Details im Artikel Hausnotruf und AAL.

Wer beim Sanitätshaus vor der Regalvielfalt steht: Auf deutsche Hersteller mit langer Erfahrung können Sie sich in der Regel verlassen. Rebotec aus Bad Salzuflen stellt seit 1993 Rollatoren, Gehhilfen und Bad-Sicherheitstechnik her; deren Produkte finden sich in vielen Fachgeschäften wieder und sind robust genug für den Alltag statt nur fürs Regal.

Wer größere Umbauten plant, nutzt die wohnumfeldverbessernden Maßnahmen der Pflegekasse: bis zu 4.180 Euro je Maßnahme bei bestehendem Pflegegrad (§ 40 SGB XI). Ohne Pflegegrad lohnt der Blick auf die KfW-Förderung.

Häufige Fragen

Ich bin noch fit. Muss ich das wirklich?

Prävention beginnt vor dem ersten Sturz. Vieles davon kostet nichts außer Aufmerksamkeit. Der Wohnungs-Check zeigt Ihnen in 20 Minuten, wo Sie stehen.

Meine Mutter lehnt alles ab. Was tun?

Nicht über ihren Kopf entscheiden. Beginnen Sie mit Dingen, die ihr Komfort bringen (besseres Licht), statt ihrer Sicherheit zu widersprechen. Und fragen Sie nach ihren Gründen: Oft steckt Angst vor Entmündigung dahinter.

Quellen und Stand

  • Robert Koch-Institut: Gesundheitsberichterstattung, Stürze im Alter, rki.de
  • Sozialgesetzbuch V § 33: Hilfsmittelversorgung, gesetze-im-internet.de
  • Sozialgesetzbuch XI § 40 Absatz 4: Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bis 4.180 EUR
  • Sturzprävention Kurse: GKV-Bonusprogramme, Übersicht der Krankenkassen

Geprüft am 24.08.2026Nächste Prüfung: 24.02.2027

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