Erben und Schenken im digitalen Zeitalter: Was man wissen sollte

wiemod Redaktion · Geprüft am 24.08.2026 · Nächste Prüfung: 24.02.2027

Das Wichtigste in Kürze

  • Ehepartner und Kinder haben Freibeträge; darüber hinaus fällt Erbschaftsteuer an.
  • Schenkungen zu Lebzeiten nutzen den Freibetrag alle zehn Jahre erneut.
  • Digitale Vermögen gehören ins Testament und in den Notfallordner.

Erben und Schenken im digitalen Zeitalter: Was man wissen sollte

Erben ist kein Tabu, sondern Buchhaltung mit Emotionen. Wer die Grundlagen kennt, trifft Entscheidungen aus Ruhe statt aus Unwissen.

Die Freibeträge (Stand August 2026)

PersonFreibetrag
Ehepartner/in bzw. eingetragene/r Lebenspartner/in500.000 EUR
Kinder400.000 EUR
Enkel (wenn Kinder noch leben)200.000 EUR
Übrige Personen (Geschwister, Freunde)20.000 EUR

Quelle: Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz § 16, gesetze-im-internet.de. Geprüft am 24.08.2026.

Alles über dem Freibetrag wird nach Steuerklassen mit steigenden Sätzen belegt (11 bis 30 Prozent für die meisten Familienkonstellationen, höher bei fernen Verwandten).

Schenken zu Lebzeiten

Der Freibetrag gilt alle zehn Jahre neu. Beispiel: Mutter schenkt ihrem Sohn 2026 die Wohnungswert-Anteile von 400.000 Euro; ab 2036 stünde der volle Freibetrag wieder bereit. Diese Zehnjahresfrist macht geplantes Weitergeben steuerlich attraktiv.

Achtung: Geschenktes kann im Pflegefall bei Sozialhilfeansprüchen relevant werden (Anrechnung innerhalb eines Zehnjahreszeitraums bei Wohnraumschenkungen gegen Versorgungsleistungen). Hier vorab fachlich beraten lassen.

Pflichtteil: Das Minimum für Nahestehende

Enterbte nahe Angehörige (Ehepartner, Kinder) können ihren Pflichtteil verlangen: die Hälfte des gesetzlichen Erbanteils als Geldanspruch. Wer das steuern will, braucht eine rechts wirksame Enterbung (schwere Verfehlung) oder einen Pflichtteilsverzicht gegen Abfindung, oft bei Patchwork-Familien relevant.

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Der Klassiker für Paare: Alles geht an den Überlebenden, nach dessen Tod an die Kinder. Vorteile: Schutz des Partners. Nachteile: Kinder warten auf ihr Erbe bis zum zweiten Todesfall und können unter Umständen ihren Pflichtteil schon beim ersten Todesfall geltend machen (Strohmann-Falle). Alternativen: testamentarische Erbquoten mit Nießbrauch zugunsten des Partners.

Digitale Vermögen einbeziehen

Kryptowährungen, Brokerdepots ohne Papier, Fotoarchive mit Wert: Sie vererben wie alles andere, brauchen aber Auffindbarkeit. Zwei Ergänzungen:

  1. Im Testament: explizit erwähnen, dass digitale Vermögen zum Nachlass gehören.
  2. Im Notfallordner: Hinweis, wo Zugänge liegen (versiegelt), ohne Passwörter offen.

Details dazu im Artikel zur digitalen Vorsorge.

Wann der Gang zum Notariat oder Fachanwalt sinnvoll ist

  • Immobilien im Spiel, besonders mit Nießbrauch oder Wohnrecht
  • Patchwork-Familien mit Pflichtteilsfragen
  • Unternehmensnachfolge
  • Auslandsbezug (andere Rechtsordnungen)

Ein einfaches Testament geht auch handschriftlich (eigenhändig geschrieben, untersucht, mit Ort und Datum versehen); beim Nachlassgericht kann es hinterlegt werden.

Häufige Fragen

Kann ich jemanden enterben?

Nahe Angehörige nur mit triftigem Grund; sonst droht der Pflichtteil. Fernere Personen können enterbt werden, erhalten dann nichts.

Was kostet ein notarielles Testament?

Abhängig vom Vermögenswert, meist mehrere hundert bis wenige tausend Euro. Gegenrechnung: Klarheit und Streitvermeidung.

Dieser Artikel gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine Rechtsberatung.

Quellen und Stand

  • Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) §§ 15, 16: Steuerklassen und Freibeträge, gesetze-im-internet.de. Geprüft: 24.08.2026.
  • Bürgerliches Gesetzbuch: Pflichtteilsrecht §§ 2303 ff., handschriftliches Testament § 2247 BGB, gesetze-im-internet.de. Geprüft: 24.08.2026.
  • SGB XII § 90 Absatz 3: Anrechnung von Schenkungen bei Sozialhilfeansprüchen (Zehnjahresfrist). Geprüft: 24.08.2026.

Geprüft am 24.08.2026Nächste Prüfung: 24.02.2027

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