Führerschein im Alter: Sehtest, Fahrsicherheit und der ehrliche Check
wiemod Redaktion · Geprüft am 24.08.2026 · Nächste Prüfung: 24.02.2027
Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt kein Höchstalter für den Pkw-Führerschein und keine Pflichtuntersuchung für Senioren.
- Die behauptete „Selbstauskunft ab 75" ist eine Falschmeldung (CORRECTIV-Faktencheck).
- Wer unsicher wird, kann freiwillig prüfen lassen: Sehen, Reaktion, Medikamente.
Führerschein im Alter: Sehtest, Fahrsicherheit und der ehrliche Check
Rund um das Autofahren im Alter kursieren beunruhigende Gerüchte. Die Fakten sind beruhigend und ermutigend zugleich: Verantwortung bleibt Sache jedes Einzelnen.
Was rechtlich gilt
Für Pkw- und Motorradführerscheine (Klassen B und A) sieht das deutsche Recht keine altersbedingten Untersuchungen vor. Auch die oft behauptete „Selbstauskunft ab dem 70. oder 75. Lebensjahr" existiert nicht: Weder im Bundesgesetzblatt noch beim Bundesverkehrsministerium gibt es eine solche Regelung. CORRECTIV.Faktenforum hat entsprechende Videos als Falschmeldungen entlarvt, teils mit erkennbar KI-generierten Sprecherinnen (Stand Januar 2026).
Anders bei Lkw und Bus: Dort sind ärztliche Untersuchungen und Sehtests zur Verlängerung vorgesehen (Anlage 5 FeV). Und für alle gilt: Die Behörde kann bei konkreten Zweifeln (z.B. nach Unfällen oder Hinweisen) ein Gutachten anordnen; das ist altersunabhängig.
Quelle: Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) Anlage 5 und § 11, gesetze-im-internet.de; CORRECTIV.Faktenforum. Beide geprüft am 24.08.2026.
Was sich mit dem Alter wirklich ändert
- Sehen: Nachtfahrtauglichkeit lässt früher nach als Tagtauglichkeit; Gleitsichtbrillen brauchen Eingewöhnung.
- Reaktion: Reaktionszeiten werden länger; Abstand hilft mehr als Tempo.
- Medikamente: Blutdrucksenker, Beruhigungs- und Schlafmittel sowie manche Schmerzmittel können fahrrelevant sein (Artikel Medikamente digital verwalten).
- Beweglichkeit: Schulterdrehung beim Blick über die Schulter lässt nach; Panorama-Spiegel können helfen.
Der ehrliche Selbstcheck
Beantworten Sie sich diese Fragen in Ruhe:
- Vermeide ich inzwischen bestimmte Situationen (Nacht, Regen, Autobahn)?
- Habe ich in den letzten zwei Jahren Beinahe-Unfälle gehabt?
- Bekomme ich Rückmeldungen von Mitfahrern oder anderen Verkehrsteilnehmern?
- Fühle ich mich beim Einparken oder dichten Vorbeifahren sicher?
Zwei Ja-Antworten sind ein Anlass für den nächsten Schritt, nicht für Panik: Es geht um Anpassung, nicht um Verzicht.
Freiwillige Prüfungen
Sehtest beim Augenarzt: Jährlich sinnvoll, besonders mit Gleitsicht. Kostet wenige Euro.
Fahrsicherheitstraining: ADAC und Verkehrswacht bieten Trainings auch speziell für Seniorinnen und Senioren an (Tagesseminare, typischerweise etwa 100 bis 150 Euro, Stand August 2026). Nutzen: Auffrischung plus ehrliches Feedback vom Profi.
Fahreignungsamts-Beratung: Manche Gesundheitsämter beraten freiwillig und vertraulich.
Wenn es Zeit ist für Alternativen
Wer selbst merkt, dass das Fahren anstrengt, hat Optionen: Deutschlandticket, Carsharing, Mitfahrdienste, Familie (Artikel ÖPNV, Bahn und Carsharing). Der Übergang gelingt besser geplant als erzwungen.
Häufige Fragen
Muss ich bei einem Umzug den Führerschein neu machen?
Nein. Der Führerschein gilt unbefristet weiter; nur das Dokument selbst wird in Europa alle 15 Jahre getauscht, ohne Prüfung und ohne Gesundheitscheck.
Darf meine Tochter dem Amt etwas melden?
Jeder kann der Führerscheinbehörde Hinweise geben. Ob ein Gutachten angeordnet wird, entscheidet die Behörde nach Aktenlage. Familiäre Gespräche sind meist der bessere erste Weg.
Quellen und Stand
- CORRECTIV.Faktenforum: „Keine neue Gesetzeslage ab 2026", Januar 2026, faktenforum.org
- FeV Anlage 5 und § 11: gesetze-im-internet.de
- ADAC Fahrsicherheitstraining: adac.de
Geprüft am 24.08.2026Nächste Prüfung: 24.02.2027
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